Abgrenzung des Themas

Sprache ist so lebendig, wie die, die sie sprechen. Sie steht also immer im direkten Kontakt zum Sprecher, zur Situation, zum außersprachlichen Umfeld und zum Gesprächspartner, kurz: zur Sprechfähigkeit des Menschen. Je nach Situation kann Sprache Trost spenden, Heiterkeit erzeugen, Aggressionen frei lassen oder Verbundenheit ausdrücken. Dabei bleibt die Sprache nicht in einem starren System, sondern sie passt sich der Situation, der Sprecherintention an. Die Wahl des Sprachregisters hat eine besondere Wirkung auf die Kommunikation. So kann ein Satz in verschiedenen Texten oder Ausdrucksweisen völlig unterschiedliche Konnotationen annehmen.

Dieses Merkmal lässt sich auch in Renauds Chansons feststellen. Sehr genau und detailliert charakterisiert er seine Protagonisten durch ihre Handlungen, ihr Umfeld und ihre Sprache. Dabei werden die Figuren nicht verallgemeinernd und klischeehaft dargestellt, sondern Renaud stellt ihre individuelle Persönlichkeit und ihre Probleme in den Vordergrund. Auf dieser Grundlage erklärt sich auch die Wichtigkeit der Sprachniveaus und Sprachregister, durch die er seine Protagonisten charakterisiert.

In der vorliegenden Arbeit sollen ausgewählte Chansons von Renaud auf diesen Aspekt hin analysiert werden. Dazu soll zunächst die sprachwissenschaftliche Grundlage gelegt werden: hier werden der sprachwissenschaftliche Ansatz der Varietätenlinguistik sowie die verschiedenen Register und Sprachniveaus des Französischen beschrieben. Dabei soll auch der Frage der Norm oder des Standards kurz nachgegangen werden.

Im Vordergrund der Arbeit steht die Analyse von Renauds Chansons, genauer die Untersuchung der sprachlichen Charakterisierung von Protagonisten in diesen Chansons. Da Texte in direktem Zusammenhang mit dem Autor stehen, sollen der Sänger Renaud und die Privatperson Renaud Séchan vorgestellt werden, unter besonderer Berücksichtigung seiner Sprache beziehungsweise seines Interesses an der Sprache.

Bei der Analyse der Chansons stehen die lexikalischen sowie die morpho-syntaktischen und phonetischen Besonderheiten im Vordergrund. Dazu wird auf das Sprachniveau und auf die Sprachregister eingegangen. Zur Einstufung des Sprachregisters wurden drei Auflagen des Petit Robert (1979, 1994, 2001) verwendet sowie spezielle Argotwörterbücher und ein Guide du français familier (1998). Das Korpus besteht aus Chansons aus verschiedenen Alben Renauds, somit auch aus verschiedenen Entstehungsjahren. In diesem Zusammenhang können Veränderungen der Sprache festgestellt werden, die eventuell auch durch den Einfluss von Renauds Chansons aufgetreten sind. Bedeutungswandel und Registerwechsel werden besonders deutlich im Lexique renaldien (siehe Anhang).

Da nicht Renauds gesamtes Repertoire analysiert werden kann, sollen einige Chansons aus bestimmten Themengebieten untersucht werden, ohne aber einen verallgemeinernden Charakter anzunehmen. Die Einteilung der Chansons in bestimmte Rubriken erweist sich als sehr schwierig, da sich die Themengebiete stark überschneiden. So kann ein Chanson als autobiographisch gelten, gleichzeitig ist es aber auch ein Chanson über das Leben in der Vorstadt und die Liebe (so wie Ma gonzesse).

Um die sprachlichen Phänomene zu beschreiben, durch die Renauds Protagonisten mit charakterisiert sind, sollen die theoretischen Erkenntnisse des ersten Teils der Arbeit auf die inhaltlichen und sprachlichen Aspekte in Renauds Chansons bezogen werden.

"Caractérisation linguistique des personnages des chansons de Renaud" par Barbara Bungter - Présentation en ligne