4.2   Portraits

Sehr viele von Renauds Chansons handeln von den Erlebnissen und Eigenheiten realer oder erfundener Personen. Diese sind bis ins Detail genau beschrieben und charakterisiert (Séchan 1989, 54), durch ihr Umfeld, ihr Markenbewusstsein, ihre Handlungen und ihre Sprache. Die Charakterisierung steht im Vordergrund bei Renauds Chansons: „On ne chante pas pour ses copains: on chante avec eux. Ou alors on chante ses copains, comme Renaud l’a fait si souvent, de La tire à Dédé jusqu’à Si t’es mon pote“ (Séchan 1989, 134). Es sind die Menschen und ihre Geschichten, die Renaud interessieren, Geschichten, die er in seinen Liedern erzählen möchte, mit denen er kritisiert, bewegt und amüsiert. „Je m’intéresse surtout aux gens. C’est comme ça que j’écris mes chansons“ (Renaud 1999, 7). Auch wenn diese Aussage nur aus dem erfundenen Interview mit Renaud von Thierry Séchan – also aus einem fiktionalen Text – stammt, so hat dieser Renauds Schwerpunkt doch genau erfasst. Und Renaud selbst antwortet tatsächlich in einem Interview: „J’apporte des témoignages. Je chante des portraits d’individus qui vivent dans un monde, dans ma vie“ (Renaud, in: Varrod 1984, 15). Claude Duneton (1988, 12) spricht in Bezug auf Renauds Personendarstellung von einer „fameuse série de portraits“, und Thierry Séchan (1989, 77) bezeichnet seinen Bruder Renaud als einen wahren Meister dieser Kunst: „[...] l’art du portrait – un art dont il est le maître incontesté depuis une bonne décennie - [...]“. Auch Jacques Erwan (1986, 27) hebt hervor: „La qualité des portraits – qu’ils soient brossés avec minutie comme celui d’Angelo ou d’une dense concision comme ceux du H.L.M. – lui confère ses lettres de noblesse.“ Der Bereich der Personendarstellung vermischt sich gezwungenermaßen mit anderen Bereichen, so unter anderem mit der Kritik der Gesellschaft und der Beschreibung des Vorstadtlebens der loubards und Jugendbanden.

 

"Caractérisation linguistique des personnages des chansons de Renaud" par Barbara Bungter - Présentation en ligne